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Liebe Kameraden,
hier die Schilderung meines
Erlebnisses von der Grundberührung der EMDEN am Donnerstag, 26.
April 1962 um 03:23 Uhr nahe der Mündung der Oste (Osteriff) in die
Elbe, nördlich von Otterndorf / Neuhaus, auf der Fahrt von Cuxhaven
nach Hamburg zur geplanten Werftliegezeit für Änderungsarbeiten!
Als Heizer-Gefreiter (MM
42) hatte ich Freiwache und lag schlafend im Heizerdeck in der
oberen Querkoje. Auf einmal ein tiefes Schürfen und eine
Erschütterung des Bootskörpers von achtern her. Ich wurde wach
gerüttelt und an die Wand bzw. gegen das Kojengitter gedrückt. Ich
konnte mich gerade noch festhalten.
Die Maschinen wurden
ausgekuppelt und das Boot kam zum Stehen. Gleich anschließend ein
Versuch mit Rückwärtsfahrt. Erneut das durchdringende Schürfgeräusch
der Antriebsschraube und die heftigen Erschütterungen und das Beben
des Schiffes. Das Boot bewegte sich nur sehr träge. Darauf hin wurde
nur die Stb-Welle ausgekuppelt und es wurde versucht, nur mit der
Bb-Welle Fahrt aufzunehmen.
Ich lief mit einigen
Kameraden an Oberdeck, es war dunkel und sehr nebelig. Nur einige
Leuchtfeuer und schwacher Lichtschein waren vom Festland zu sehen.
Dann folgte die Durchsage zum Ankern. Ich ging unter Deck, konnte
aber nicht mehr schlafen. Gut eine Stunde später wurde wieder Fahrt
aufgenommen, aber nur mit der Bb-Antriebsschraube. In Höhe
Brunsbüttel wurde erneut geankert.
Laut Schiffstagebuch kam um
10:55 Uhr ein Lotse an Bord. Die letzten 36 sm bis Hamburg hat das
Boot aus eigener Kraft zurückgelegt. Um 15:05 Uhr wurde die EMDEN
von zwei Schleppern in ein Dock der Werft von H.C. Stülcken Sohn in
Hamburg-Steinwerder bugsiert. Der Schaden konnte von uns nicht
gleich "begutachtet" werden und leider gab es auch ein Foto-Verbot.
Der MAD soll auch vor Ort gewesen sein.
Ich hatte Tage darauf die
Gelegenheit, mir das Achterschiff von unten anzusehen. Von der
Stb-Schiffsschraube, ein KaMeWa-Verstellpropeller mit ca. 3,40 m
Durchmesser, war nur noch die Nabe mit den verstümmelten Flügeln zu
sehen. Das Ruderblatt stand auch etwas schief und war aufgerissen.
Die Antriebswelle vom Stevenrohr bis zur Schiffsschraube war leicht
versetzt. Der hintere Teil der Schiffswelle wurde ausgebaut und zum
Ausrichten zu einer Spezialfirma nach Schweden gebracht. Der
Verstellpropeller wurde erneuert.
Zur Ursache für dieses
"Auflaufen" gab es natürlich einige inoffizielle Versionen, von der
mir Folgende noch in guter Erinnerung ist:
„ Eine befohlene
Kursänderung kam "nicht an", oder wurde nicht ausgeführt."
Von einer offiziellen
Version habe ich keine Kenntnis.
Der ca. 7-wöchige
Aufenthalt in Hamburg war für uns eine willkommene Abwechslung mit
vielen Landgängen (Verbindung durch den alten Elbtunnel), auch wenn
die "Heuer" nur bis zum 20. des Monats reichte.
Es gibt ja noch einige
Bordkameraden aus dieser Zeit, die als "Zeitzeugen" sicher noch
weitere Details liefern, oder meine Erinnerungen präzisieren können.
Mit kameradschaftlichen
Grüßen
Kurt Adamovsky
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